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Lesekompetenz in der Sek I fördern

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Lesekompetenz fördern © Irina Schmidt - Adobe Stock

Lesekompetenz von Grundschülerinnen und Grundschülern verschlechtert

Was du wahrscheinlich schon selbst im Unterricht festgestellt hast, wurde 2022 durch die IFS-Schulpanel-Studie bestätigt: Die Lesefähigkeit von Viertklässlern ist „alarmierend“ gesunken.  Viele Wörter und Sätze müssen mühsam erlesen werden, Kinder verlesen sich sinnentstellend, können nicht korrekt betonen und verlieren sehr schnell das Interesse an Lektüren. Angesichts täglicher Herausforderungen durch Digitalisierung und mediale Textfluten ist diese Entwicklung fatal.

Die TU-Dortmund fand heraus: Viertklässler/-innen im Jahr 2021 weisen eine statistisch signifikante und substanziell geringere Lesekompetenz auf als dies noch bei Viertklässler/-innen 2016 der Fall war. Die Verfasser der Studie empfehlen unter anderem eine gezielte Förderung der Lesekompetenz in der Grundschulzeit sowie eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule.

Wie kann die Lesekompetenz in der Sek I gefördert werden?

Wenn Kompetenzen in der Grundschule nicht erworben werden, kann man auch nicht in der Sek I auf diese aufbauen. Doch wie kann man dem begegnen, damit sich die Schwäche nicht durch die ganze Schullaufbahn zieht? Wir möchten euch ein Unterrichtsvorhaben vorstellen, mithilfe dessen ihr mit leseschwachen Schülerinnen und Schülern arbeiten könnt.

Diese Materialien stammen aus der Ausgabe „Lesen – Behutsam und differenziert üben“ in der Reihe :in Deutsch und ermöglichen eine Vorgehensweise, bei der Leseselbstvertrauen entwickelt werden kann.  Die im Hefttitel versprochene „behutsame“ Erarbeitung eines Textes erfolgt immer im Dreischritt von zunächst stiller Lektüre, anschließendem Vorlesen im Dialog mit Partnerinnen und Partnern im kleinen Kreis und abschließender Präsentation vor größeren Gruppen oder im Klassenverband.

Auf die Bedeutung des Lautlesens für den Erwerb von Lesekompetenz wird in der Literatur immer wieder hingewiesen.

Daher bereichern und ergänzen Übungen zum Adressatenbezug, zum Lesetempo, zur Lautstärke, zu Tonhöhe und Pausen die Vorschläge. Schließlich sollte auf Betonung und Intonation, aber auch auf den Einsatz nonverbaler Signale wie Mimik, Gestik und Körperhaltung geachtet werden, da sie Aussageabsichten anzeigen und dem Leseprozess erst die kommunikative Gestalt geben, die ihn für die Zuhörerschaft attraktiv macht.

Das kleine Lesezirkus-Projekt

Die Schülerinnen und Schülern sollen das das Gedicht „Textolo“ zunächst still lesen. Danach lasse sie es einander vorlesen oder spiele den Track hier ab:

Auf einer Wiese vor der Stadt
entdeckt ihr bunte Zirkuswagen.
Daneben steht ein Zelt, das hat
man am Morgen aufgeschlagen.

Darin wird fieberhaft geprobt,
gelacht, gemeckert und gelobt,
denn bald beginnt die große Show
im Lesezirkus Textolo.

 Haben die ’ne Löwennummer?
Wird mit Porzellan jongliert?
Proben Clowns da Liebeskummer?
Wird dort etwa voltigiert?

Gibt’s Artisten an Trapezen,
Messerwerfer und Magie,
träge Tiere, die sich fläzen,
Katzen, Hunde, Federvieh?

Lasst sie uns genau betrachten
und auf die Personen achten,
die durch die Manege schreiten
und sich … lesend vorbereiten.

Der Dompteur liest Tiergeschichten,
Magier schmökern Fantasy.
Direktor Bautz beginnt zu dichten:
„Im Zirkus herrscht die Poesie!“

Ein Akrobat verschlingt ’ne Schwarte,
eine Tänzerin liest laut,
ruft: „Geliebter, ach, ich warte!“,
während sie versonnen schaut.

Hört, wie zwei Artisten wettern,
schimpfen und in Büchern blättern.
– Streiten die sich um die Gage?
Nein – der Text bringt sie in Rage.

Ein Kraftmensch hockt im Zirkuswagen
und rezitiert bei Kerzenlicht
betont und feierlich getragen …
Die Hantel? – Unsinn, ein Gedicht!

Am Abend bitte Augen schließen,
wenn Zirkusluft
und Popcornduft
aus wunderbaren Texten sprießen.

Nun sollen die Schülerinnen und Schüler unbekannte Begriffe klären. Lass die Klasse erzählen, was in diesem Zirkus passiert und wodurch sich Textolo von einem Zirkus, wie sie ihn kennen, unterscheidet. Der „Lesezirkus“, wie er im Gedicht vorgestellt wird, dürfte zunächst Befremden auslösen. Beim Auftakt und bei ersten „Auftritten“ können kleine Requisiten – Clownsnasen, Schminke – für Zirkusatmosphäre sorgen.

In Anschluss können die Schülerinnen und Schüler das Gedicht mit verteilten Rollen vorlesen. Lass sie dazu in die Rollen dieser vier Personen schlüpfen und in kleinen Gruppen proben:

1) Jemand stellt den Zirkus vor. (Strophen 1 und 2)
2) Jemand fragt, wie es dort zugeht. (Strophen 3 und 4)
3) Jemand lädt dazu ein, die Personen genau zu betrachten, und beschreibt sie. (Strophen 5–9)
4) Jemand gibt einen Rat, wie man sich als Zirkusbesucher verhalten sollte. (Strophe 10)

Das kleine Lesezirkus-Projekt steht im Zentrum des gesamten Unterrichtsvorhabens: Von hier beginnend zieht sich das Zirkusthema als Motiv durch alle folgenden Texte – Gedichte und Auszüge aus Erzählungen. Wenn ihr nun Lust bekommen habt, mit eurer Klasse in den Lesezirkus zu gehen, findet ihr die Materialien hier in der Ausgabe „Lesen – Behutsam und differenziert üben“.

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