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Prima(r) Anfangsunterricht

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Grundschüler starten mit dem Anfangsunterricht © Dan Race – Adobe Stock

Seit mehr als 100 Jahren besteht in Deutschland die Grundschule wie wir sie auch heute kennen. In fast allen Bundesländern lernen alle schulfähigen Kinder im Alter von sechs bis 10 Jahren vom ersten bis zum vierten Schuljahr gemeinsam. 

Berlin und Brandenburg bilden mit der sechsjährigen Grundschule eine Ausnahme. Allerdings sind auch da Gymnasien ab der 5. Klasse und Schulversuche mit Schnellläuferklassen zu finden. Und seit dem Bestehen der Grundschule kommt dem Anfangsunterricht eine spezifische Stellung und eine besondere Aufgabe innerhalb des Primarstufenunterrichts zu.

Welche Zeitspanne der Anfangsunterricht umfasst, ist nicht eindeutig definiert. Es gibt Konzepte, die sich auf die ersten beiden Schuljahre beziehen, andere beziehen sich nur auf Klasse 1 und wieder andere betrachten lediglich die ersten Wochen nach der Einschulung als Anfangsunterricht.

Da die Schulanfängerinnen und -anfänger die Schule sowie auch die neue Sozialsituation als neuen Lernort erleben, kommt der Phase des Anfangsunterrichts eine äußerst besondere Bedeutung zu. Denn der Anfangsunterricht prägt nachhaltig die Einstellung gegenüber Schule und schulischem Lernen und beeinflusst womöglich den weiteren Lern- und Schulerfolg.

Aufgaben des Anfangsunterrichts

Kernaufgaben des Anfangsunterrichts sind die Einführung grundlegender Lern- und Arbeitsweisen und die Entwicklung einer positiven Arbeitshaltung und Leistungsbereitschaft. Aufgrund der Heterogenität der Schulanfänger ist im Anfangsunterricht Methodenvielfalt und pädagogisches Geschick gefragt. 

Für viele Lehrkräfte stellen dabei sprachliche Probleme von Kindern mit Migrationshintergrund, Lernschwierigkeiten von Kindern mit erhöhtem bzw. sonderpädagogischen Förderbedarf sowie Verhaltensweisen bei Kindern mit sozial-emotionalen Schwierigkeiten eine besondere Herausforderungen dar. Wegen der hat der Anfangsunterricht unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen:

  • Stärkung der Ich-Kompetenz
  • Entwicklung der sozial-emotionalen Kompetenz
  • Förderung der kommunikativen Kompetenz
  • Stärkung der Planungs- und Handlungskompetenz
  • Aufbau von Sachkompetenz

Anfangsunterricht erfordert offene Unterrichtskonzepte

Offene Unterrichtskonzepte, wie Tages- und Wochenplanarbeit, Freiarbeit, Werkstattunterricht, Stationenlernen und Projektarbeit bieten den Schulanfängerinnen und -anfängern eine zum Lernen anregende Umgebung. Damit sich der Lernprozess für jedes Kind individuell gestalten lässt, ist ein Beobachten, Deuten und Dokumentieren von Denk- und Handlungsweisen der Kinder notwendig. Eine Bildungsdokumentation oder ein Entwicklungsbericht ist auch im Hinblick auf die Differenzierung (innere wie äußere) unerlässlich.

Leistungsbeurteilung im Anfangsunterricht

Mehr als das Lernergebnis ist bei der Leistungsbewertung im Anfangsunterricht der individuelle Lernprozess des einzelnen Kindes von Bedeutung. Die wichtigsten Ziele einer Leistungsbewertung, die sich meistens in Form einer verbalen Beurteilung darstellt, ist die Lerndiagnose, -beratung und -förderung. Die Leistungsbeurteilung soll in erster Linie als Rückmeldung für das Kind in seinem Lernprozess verstanden werden. Von einer Ziffernbewertung wird im Anfangsunterricht meist abgesehen.

Anfangsunterricht und Schuleingangsphase

Immer wieder wurden und werden neue Modelle für den Anfangsunterricht entworfen. Alle Modelle jedoch zielen dabei auf Chancengleichheit hinsichtlich der Eingangsvoraussetzungen von Schulanfängerinnen und -anfängern ab. Zudem soll verhindert werden, dass Kinder vom Schulbesuch (für ein Jahr) zurückgestellt werden.

Grundschülerinnen und -schüler können je nach Lern- und Leistungsentwicklung verschieden lange im ersten und zweiten Schuljahr verbleiben. Mehrheitlich wird die Schuleingangsstufe für zwei Jahre besucht. Sehr leistungsstarke Kinder können die Schuleingangsphase nach nur einem Jahr abschließen, leistungsschwächere Kinder können drei Jahre in der Eingangsstufe verweilen. Vielerorts wird von einer Verlängerung der Schuleingangsphase gesprochen.

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